„SL Bayreuth bei der Wanderwoche im Altvater" - Homepage der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth

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SL Bayreuth bei der
Wanderwoche im Altvater"
vom 02. Bis 10.06.2018
Wanderfahrt des Heimatkreises Jägerndorf ins Altvatergebirge 2018

Wenn der Heimatkreis, wie dieses Jahr, zum 20. Male in die Alte Heimat reist, hat man als Nicht-Heimatvertriebenes „Begleitpersonal“ (= oberbayerischer Ehemann) leicht ein besorgtes Gefühl. Sitzen da nicht die Belehrenden im Bus, werden da alte Ressentiments bedient oder läuft ein eingeübtes Nostalgieprogramm ab?
Eigentlich nichts von alledem. Überwiegend positiv war der Eindruck der 8 Tage in unserem Nachbarland, besonders gegenüber einem Besuch des Berichtenden vor 5 Jahren bei gleicher Veranstaltung.
39 Teilnehmer, überwiegend aus Bayern (10 davon aus Bayreuth und Umgebung) und Thüringen, 3 Mitwandernde aus Jägerndorf (Krnov), reisten mit dem seit Jahren bestens vertrautem Buslenker von Ansbach und Nürnberg in ca. 7 Stunden nach Jesenik, deutsch Freiwaldau, ins Altvatergebirge in Mähren an der Grenze zu Sudetenschlesien. Umrahmt von Goldkoppe, Bischofskoppe, Hochschar und Altvater gilt der Kreis Freiwaldau als „Perle der Sudeten“. Obligatorisch schon dabei der „Altvater“ (Likör aus Fulda) zum Auftakt der Wanderwoche. Die Stadt selbst bietet das Bild einer Kleinstadt mit renovierten Altbauten, Schloss, Nachkriegsneubauviertel und brachliegenden Industriebauten.
Wie seit Jahren untergebracht in der „Penzion U Petra“ mit für CZ-Verhältnisse gutem Komfort (DZ, EZ, Du, TV, Nostalgierestaurant), die Abendküche deftig böhmisch und reizend aufgetragen, hervorzuheben die knofligen hausgemachten Suppen, lief die Unterbringung, organisiert durch das Trio Ulbrich, Schmauss, Schütterle angenehm problemlos.
Besonderer Dank gebührt Frau Ulbrich für Ihre liebevoll bebilderten und beplanten Routenbeschreibungen.
Alle Busfahrten über das gebirgige Land zu den einzelnen Besichtigungen und Wanderungen wurden souverän den historischen Hintergrund beschreibend, kenntnisreich Land und seine ehemaligen Bewohner erläuternd, von Peter Freitag geleitet. Hilfreiche Unterstützung erfuhren wir als Fußvolk dabei von dem einheimischen Dr. Knoz und der weitgereisten Kveta und Petru.
Die im 30-km-Umkreis erwanderten Ziele waren von sehr sportlich ambitioniert bis gemütlich gestrickt. Obwohl seit Jahren naturgemäß immer die gleichen Wege, Berge, Orte erwandert werden, sollen diese dennoch kurz genannt werden:
* Gräfenberg und seine weitläufigen Priessnitz-Kureinrichtungen, temperamentvoll und witzig von einheimischer Fremdenführerin erklärt, bietet einen herrlichen Blick auf Freiwaldau mit seinen 12.000 Einwohnern,
* Annaberg/Wallfahrtskirche, auf dem Kreuzberg gegenüber gelegen, im Regen erwandert, sehenswert die original erhaltene Riegerorgel, 15 km Route
* Grumberg/Nordmährische Hütte, auf Irrwegen erreichte Berghütte mit Schullandheim und Restaurant; wir bewunderten die Disziplin der dort arbeitenden (5.?) Schulklasse.
* Roter Bergsattel/Heidebrünnl/Franzensthal- 25 km, ca 8 Stunden mit Pausen, ~ 750 Hm,
* Schäferei/Hohe Heide/Hirschbrünnl/Brandseifenmit dem Highlight Holba-Brauerei in Hannsdorf,
* Reihwiesen/Goldkoppe, ebenfalls hervorragender Aussichtspunkt auf Freiwaldau mit Turm und Rastplatz.
Überraschung kam dabei auf, wenn entgegenkommende Einheimische unsere Gruppe im Vorübergehen auf Deutsch herzlich willkommen hießen oder ihr „dobre den“ flüsterten. Die Sprachbarriere bleibt dennoch, Deutsch ist nicht mehr 1. Fremdsprache, dafür wird Englisch unterrichtet, aber nur selten gesprochen oder gar verstanden.
Lediglich 1 Tag waren einem Stadtrundgang in Jägerndorf/Krnov mit Kaffee im Haus der Verständigung und einem Besuch in Troppau gewidmet. Merkwürdig dabei der emotionslose Auftritt der Bürgermeisterin im Rathaus von Jägerndorf, erfrischend die Führungen zweier Germanistikstudenten im reizvoll restaurierten Troppau.
Gelingt die Fahrt wie die diesjährige, steht einem Erfolg im Jahr 2019 nichts im Wege, gleiches sonniges Wetter vorausgesetzt.

H. Mühlbacher
Auf Wanderschaft: Sitzend Karl Heider, Gerda Mühlbacher, elfriede Heider
Stehend :Dieter Lux und  Hermann Mühlbacher
aufgenommen am Heidebrünnl
Rathaus Jägerndorf
Das Heidebrünnl
Kaleidoskop rund um den
Altvater
Priesnitzdenkmal in Freiwaldau
Nach Hause über Niederlindewiese
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Nachbetrachtung zur Wanderreise 2018

Der folgende Text und die folgenden Fotos hat uns
Hans Schmalz zur Verfügung gestellt.

Nachdem Deutschland bei der WM ausgeschieden ist, habe ich nun endlich Zeit einen kurzen Rückblick zur Wanderfahrt 2018 ins Altvatergebirge zu geben.
Gleich vorab: Wir hatten wieder eine wunderbare Woche ohne größere Probleme und alle kamen gesund, gut erholt und körperlich fitter nach Hause zurück.
Die Ingrid Ulbrich hatte wieder herrliche Wanderziele ausgewählt, ausgearbeitet, mit unseren Freunden in Tschechien abgestimmt und in bekannter Weise für jeden Teilnehmer entsprechende  Informationen für jeden Wandertag  ausgehändigt. Das schätzen die Wanderfreunde sehr, da sie Gelegenheit haben sich selbst vorab mit den Touren vertraut zu machen. Diese ausgezeichnete Vorarbeit war der Garant, dass die Wanderziele ohne Probleme durchgeführt werden konnten und alle Teilnehmer wohlbehalten zum Ziel kamen. Es ist bewundernswert wie Ingrid Jahr für Jahr stets neue Strecken entdeckt und ins Programm aufnimmt.
Wie in den Vorjahren hatte die  Renate Schmalz die Werbung für die Fahrt, Anmeldung der Teilnehmer, Vereinbarung mit der Pension und noch viele weitere Details hervorragend organisiert. Leider konnte sie durch ihren Unfall dieses Jahr nicht an der Reise teilnehmen. Dies haben alle überaus bedauert und die Renate sehr vermisst. Sie ist für die Wanderer ein liebenswerter Ansprechpartner. Alle hoffen, dass sie 2019 dabei sein wird.
Zum Team der Organisation gehört natürlich auch Siegfried Hanke, der die finanzielle Abwicklung mit den Reiseteilnehmern und der Pension erledigt und die zusätzlichen Abrechnungen, die sich während der Reise ergeben in der Buchhaltung verarbeitet.
Mit einer solch perfekten Vorbereitung und Organisation lässt sich gut reisen und das wissen unsere Wanderfreunde. Ein großer Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind schon viele Jahre dabei und schätzen die Arbeit von Ingrid und Renate.  Dies zeigt auch die gute Beteiligung der letzen Jahre. Dieses Mal bestiegen 39 Personen  den Bus der Firma Wellhöfer, der von unserem sehr geschätzten Thomas Lichtegger gesteuert wurde. Er lenkt das Reisegefährt gekonnt durch das Altvatergebirge und kennt dort jeden Ort und Weg. Das erleichtert die Organisation der Tagestouren erheblich.
Wir konnten nahezu ideales Wanderwetter genießen. Bei blauem Himmel und Sonnenschein sind die herrlichen Ausblicke auf die Gipfel  und in die Täler des Altvatergebirges ein besonderer Genuss. Auch wenn dieses Jahr die Reise bereits Anfang Juni begann, war die Vegetation auf dem gleichen Stand wie 2017. Man kann sagen, dass die Flora 2018 ca. 3 Wochen früher blühte.
Die Gruppe „Mühsam“ begleitete bis einschließlich Mittwoch Petr Pobucki. Wir sind ihm dafür sehr dankbar. Mit seinen guten Deutschkenntnissen und der Vertrautheit mit dem Altvatergebirge ist er ein überaus wichtiger Helfer. Auch seine ruhige und rücksichtsvolle Art genießen alle. Am Freitag übernahm die Führung die Ingrid Ulbrich und Samstag meine Wenigkeit.
Wir haben festgestellt, dass dieses Jahr die Gruppe „Mühsam“ im Gegensatz zu den Vorjahren deutlich mehr Teilnehmer hatte. Es ist zu vermuten, dass dies auch im nächsten Jahr so sein könnte.
Auch unsere sehr geschätzte Kveta und der ortskundige und engagierte Dr. Knoz, die uns bei mehreren Wanderungen der Gruppe „Strebsam“ begleiteten, sind eine angenehme und hilfreiche Unterstützung. Die Kveta nutzt dabei jede Gelegenheit, um mit der Kamera interessante Momente und schöne Motive festzuhalten und Dr. Knoz zeigt und vermittelt u.a. viel Wissenswertes aus der Welt der Geologie im Altvatergebirge. Bei einer Wanderung nach Goldenstein / Branná teilte sich der Weg. Der kürze führte durch eine Viehweide auf der Kühe grasten und der längere weitläufig außen vorbei.  Die Mutigen gingen über die Weide, die anderen mit Dr. Knoz den weiteren Weg. Böse Zungen behaupteten, dass Dr. Knoz, der bekanntlich Tierarzt ist, nicht bei den Kühen vorbei gehen wollte, da sie ihn kennen.
Unser Dank gilt auch Gertrud Nerreter die anlässlich ihrer 10maligen Beteiligung an der Wanderfahrt eine schlesische Kuchenspezialität mitbrachte der auf der Hinfahrt restlos verputzt wurde. Auch in Freiwaldau erfreute uns Frau Knoz mit selbst gemachtem Gebäck aus Thomasdorf, was sie zu unserer Abreise nochmals mit einer anderen süßen Köstlichkeit wiederholte. Das hatte zur Folge, dass wir Mühe hatten das Lebkuchenpaket, das uns die Rente mit auf die Reise gab, zu verspeisen. An die genannten Damen ergeht unser herzlicher Dank.
Die Wanderung auf den Gräfenberg am ersten Tag mit anschließender Führung in deutscher Sprache rund um den Wirkungsort von Vincenz Prießnitz durch Frau Erika Novackova brachte einige neue Erkenntnisse. Besonders der 2010 eröffnete, weitläufige  Balenopark, in dem die Besucher kostenlos die unterschiedlichen Anwendungen nach Prießnitz selbst durchführen können, fand große Beachtung.
Bei der Wanderung am Montag konnten die Künste des Bildhauers und Malers Bernhard Kutzer aus Niedergrund bei Zuckmantel in der Kirche von Würbenthal / Vrbno pod Pradědem bewundert werden. Besonders beeindruckend ist die von ihm geschaffene 4,5 Meter hohe Holzfigur des hl. Michael über dem Kirchenaltar. Der örtliche Pfarrer öffnete für uns das Gotteshaus und erläuterte die laufenden Renovierungsarbeiten, die im Altarbereich bereits fertig gestellt sind.
Bei dem traditionellen Rathausbesuch in Jägerndorf / Krnov am Donnerstag wurden wir von der Frau Bürgermeisterin Dr. Jana Koukolová-Petrová mit einer kurzen Ansprache freundlich empfangen. Bei meiner Dankesrede merkte ich an, dass in dieser Stadt über 700 Jahre weitgehend Deutsche lebten, und 1945/1946 vertrieben wurden. Es wäre an der Zeit in Jägerndorf an zentraler Stelle auf diesen Umstand hinzuweisen. Als Übersetzer war Herr Westphal tätig, dem wir für seinen Einsatz danken.
Über die Mittagsstunden nutzen wir die Zeit zu einer Stadtbesichtigung in Troppau. Die beiden Stadtführer  - ein tschechischer und ein deutscher Historiker von der  Schlesische Universität Opava - vermittelten uns, aufgeteilt in zwei  Gruppen, viele Einblick zu dieser früheren Hauptstadt des Regierungsbezirks Troppau. Interessant war u.a. die Anmerkung, dass an der Troppauer Universität Deutsch als Studienfach nur noch wenig nachgefragt wird. So steht neben Englisch auch Italienisch deutlich höher im Kurs.
Anschließend besuchten wir das „HAUS DER TSCHECHISCH-DEUTSCHEN VERSTÄNDIGUNG“ in Jägerndorf und wurden mit Kaffee und schlesischem Gepäck freundlich empfangen. Herr Westphal gab uns einige Informationen zur Entstehungsgeschichte des Hauses und zur heutigen Nutzung. Es bot sich auch die Gelegenheit mit einigen in Jägerndorf verbliebenen Deutschen zu sprechen. Anschließenden besuchten wir den 2017 bei der Synagoge errichteten Gedenkstein anlässlich des  Hungermarsches im Juni 1945 von Jägerndorf nach Gruhlich bei dem ca. 300 Menschen den Tod fanden.  
Ein Halt am Gabelkreuz mit einer kurzen Ansprache zum Hungermarsch darf nicht unerwähnt bleiben.
An drei Abenden wurde den Teilnehmerinnnen und Teilnehmern Bilder von früheren Wanderreisen und zwei Videos zur Geschichte der Sudetendeutschen gezeigt. Damit wird im Rahmen dieser Fahrt nicht nur dem Körper sondern auch dem Geist einiges geboten.
Da unsere frühere Musikbegleitung bei dieser Reise komplett ausfiel, war es mit dem Singen sehr dürftig. Lediglich am „Bunten Abend“, dem auch die besonderen musikalischen Beiträge fehlten, wurden einige Volkslieder intoniert. Mit witzigen Vorträgen, konnte dieser Abend so halbwegs „gerettet“ werden.
Aufnahme, Essen und Unterkunft in der Pension Petra waren wie immer bestens. Manche merkten an, dass die Speisen in diesem Jahr noch besser mundeten.  Das Bier ist auf jeden Fall überaus „süffig“. Frühstück und Abendessen waren reichlich und der Ablauf klappte gut.
Alle Teilnehmer waren sehr diszipliniert und pünktlich. Eine Person konnten wir abends nicht an dem vereinbart Ort abholen, da diese versehentlich in den verkehrten öffentlichen Bus einstieg. Sie kam dann in den Abendstunden mit dem Zug nach Freiwaldau und wohlbehalten in der Pension  an.
Ich hoffe, ich habe das Wesentliche erwähnt und niemanden vergessen.
Für 2019 haben wir für die Wanderreise die letzte Woche im Juni vom 22. – 30. in der Pension U Petra reserviert. Es wäre sinnvoll, dies auch nochmals vom Vorstand schriftlich zu bestätigen.
Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer und eine gelungene Kulturreise im September nach Jägerndorf.
Mit herzlichen Grüßen
Peter Freitag , 29.06.2018


 
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