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Busfahrt nach Schloß Wiesentfels
Zurück in die Vergangenheit
Die Sudetendeutsche Landsmannschaft
Bayreuth on Tour

Schloss Wiesentfels ist eine Felsenburg auf 40 m hohem Fels. Sie war seit 1333 im Besitz der Grafen von Giech, aus einem alten fränkischem Adelsgeschlecht, wurde 1433 im Hussitenkrieg zerstört, um 1480 wiedererrichtet, im Bauernkrieg 1525 niedergebrannt und dann von den Grafen von Giech wieder aufgebaut.

Quelle Wikimedia Commons

Nach einigen Erbstreitigkeiten blieb sie bis 1938 in Giechschem Besitz. Danach und bis heute ist sie in privater Hand.
Aber was ist so besonderes an diesem Schloss und warum haben die Sudetendeutschen aus Bayreuth, sich dieses Schloss als Ziel für einen Busausflug gewählt?
Von 1946 bis 1956 war das Schloss der Wohnort für Vertriebene aus dem Sudetenland, hauptsächlich aus dem Altvatergebirge, so auch die „Schlossführerin“ Frau Dora Gebhardt. Die bekannte Malerin lebt heute im Dorf, betreut die Führungen im Schloss und hat einen besonderen Bezug dazu. Sie kam mit ihren Eltern als Zweijährige aus dem Sudetenland in das, vom Zahn der Zeit deutlich gezeichnete Schloss, zusammen mit 150 anderen Vertriebenen aus dem Altvatergebirge. Wegen dieser Kindheit, wegen ihrer zehn Jahre „größter Freiheit“ in ziemlicher Armut, kann sie wunderbar aus der jüngsten Schlossgeschichte erzählen, aber auch aus der alten. Die Flüchtlinge fanden nach 540 Kilometern beschwerlicher Vertreibungsroute zunächst für zwei Wochen in der Polizeischule von Ebermannstadt einen Unterschlupf, dann zwängten sie sich hier im Schloss in den Zimmern – oft mit sechs oder sieben Personen.
Die Eltern von Dora Gebhardt hatten 1942 geheiratet. Ihr Hochzeitsgeschenk, ein Christus-Bild als Guter Hirte, hängt  noch immer in einem Zimmer des Schlosses, das jene Zeit wieder erweckt: mit Feldbett, Kochbuch, Koffer und rosa kariertem Bettbezug von der Großmutter. Zwischen all dem war das Schloss im Zweiten Weltkrieg kurz das Waren- und Uniformlager der Nürnberger Polizei. Sogar das Bayreuther Richard-Wagner-Museum nutzte es für Auslagerungen.
Dora Gebhardt weiß noch, welche Angst damals herrschte, dass die US-Soldaten in ihrer wilden Besatzer-Zeit scharfe Munition in den Kachelöfen hinterlassen haben könnten. Sie berichtet, wie mühsam es war, Wasser zu pumpen und in die Etagen zu tragen. Wie einige Familien in den vier Dachböden lebten, die im Sommer glühend heiß waren. Wie die 96 Kinder den Dorflehrer überforderten. Wie wenig Arbeit ihr Vater, ein Schmied, fand. Wie mühsam er alles abzahlte, was er an Gebrauchsgegenständen vom Landratsamt kaufen musste, darunter eine Art Wamsler-Herd.
Die jungen Leute der Sudetendeutschen gingen später nach Baden-Württemberg.  Als die Eltern von Dora Gebhardt aufbrechen wollten, war das Württemberg-Kontingent voll. Einige kamen nach Forchheim. Ihre Familie wurde nach Düsseldorf verwiesen. Dort fiel das Mädchen mit seinem fränkischen Dialekt auf. „Alle haben gelacht.“
Sehenswert und attraktiv die Flüchtlingsstube mit Mobiliar und Haushaltsgegenständen.
So sah ein Zimmer aus, in dem die Sudetendeutschen von 1946 bis 1956 lebten. „Alle hatten dasselbe, nämlich nichts“, sagt Dora Gebhardt. Wir fühlten uns – trotz der Einschränkungen wie daheim, wir waren nicht isoliert.
1956 war das Schloss wieder leer. Nur  Hauptlehrer Wagner wohnte nach seiner Pensionierung noch zehn Jahre hier. Er hatte ein paar Türen weiter eine Mini-Schule eingerichtet, ein Zimmer für Handarbeit und Religion, weil die Dorfschule so klein war.
Erwähnenswert ist auch der Freiherr Johann Hiller von Gaertringen, der das Schloss an eine Dr. Elisabeth Bender-Fughe verkaufte, die alles irgendwie antik möblierte, sich konsequent abschottete, oft die Dorfkinder  anraunzte und 1969 einsam starb. Ihre Erben waren ein Rechtsanwalt und seine Frau in Saarbrücken. Aber auch sie starben. Deren Kinder schlugen das Schloss aus. So hatten die Uhlmanns 2009 ihre Chance.
70 Jahre nach seinem Tod des letzten Grafen von Giech standen Karin und Klaus Uhlmann aus Lauf in diesem Burghof. Sie stiegen durch die endlos vielen Zimmer des Schlosses, bestaunten die schöne Stimmung der alten Kapelle im ersten Stock, trauerten den Pferden nach, die einst in einem bunkerartigen Stall hausen mussten und genossen den Blick hinunter ins Tal der Wiesent, die ein paar Kilometer weiter die Stadt Hollfeld erreicht. Karin Uhlmann war sofort von der romantischen Ausstrahlung des „Burgschlosses“ begeistert. Seit 2009 sind sie und ihr Mann die Eigentümer. Er war bei Siemens ein Ingenieur, sie hatte in der Nürnberger Theatergasse eine Apotheke.
So hat dieses „Dornröschenschloss“, wie es Dora Gebhardt nennt, eine bewegte Geschichte hinter seinen romantischen Kulissen, zu der auch ein großes  Sandsteinhaus von 1773 gehört, das einer der Grafen 1883 aus der Kulmbacher Gegend holte und neu aufbaute sowie eine Allee anpflanzte.
Für Dora Gebhardt - die übrigens als Kind  mit Pinseln aus den US-Carepaketen zu malen begann, weil sie im Schlosschor der Flüchtlinge nicht gelitten war („die brummt!“) — sind die Allee und der Schlosshof Schätze. Auch die zweistöckigen Keller, der Ausguckturm, das Gärtchen davor, die Fledermäuse. Sie weiß so viele Anekdoten darüber, dass der Gast nur staunt.
Frau Dora Gebhardt und die jetzige Schlossbesitzerin Frau Karin Uhlmann hatten die Schlossführung mit zwei getrennten Gruppen übernommen. Gekonnt und historisch einfühlsam erklärten beide die Geschichte und Einrichtung des Schlosses,  jeweils eingebunden in die Familiengeschichte der Grafen von Giech. Frau Karin Uhlmann hatte die Sudetendeutsche Landsmannschaft bereits am 23. Januar 2019 durch die Laufer Kaiserburg geführt und so auf Kaiser Karl IV aufmerksam gemacht.
Teile dieses Berichtes und das Bild Flüchtlingszimmer sind dem Internetartikel https://www.nordbayern.de/region/pegnitz/schloss-wiesentfels-ist-rauberhohle-1.5361869 mit Erlaubnis von Thomas Knauber entnommen.
Führungen im Schloss gibt es von Pfingsten bis Ende September sonntags um 14 und 15 Uhr; Zufahrt über eine Steilkehre im Dorf, 500 Meter östlich vom Schloss an der B 22.
Eine Gruppe im Schlosshof, im Vordergrund Dora Gebhardt

Manfred Kees
31.07.2019

Schlosshof, im Vordergrund Dora Gebhardt
Holzsteg
Schlosskapelle
Für alle fränkischen Patrioten:
Joseph Victor von Scheffels Frankenlied - vorgetragen von der Gruppe Barbarossa

 
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