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Tag der Selbstbestimmung 2019/
Märzgedenken in Bayreuth
SL Orts- und Kreisgruppe Bayreuth / Oberfranken

Auch die Sudetendeutschen in Bayreuth gedachten an die 100jährige Wiederkehr des 04. März 1919

Gedenkstunde mit Kranzniederlegung

Zum einen wollte die Orts- und Kreisgruppe Bayreuth zur Erinnerung und Mahnung der 100jährigen Wiederkehr des 04. März 1919 gedenken und zum anderen auch vor Ort ein öffentliches Zeichen zur Aktualität dieses Gedenktages setzen. Dies ist auch gelungen.

In Form einer Gedenkstunde mit Kranzniederlegung am Vertriebenendenkmal an den Schlossterrassen erinnerte die Sudetendeutsche Landsmannschaft, Orts- und Kreisgruppe Bayreuth, an die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts  der Deutschen in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien im Jahr 1919. Sie erinnerte weiter, ganz im europäischen Geist,  an die Toten, die am 03. März 1919 bei friedlichen Demonstrationen für das Selbstbestimmungsrecht ums Leben kamen.

Begrüßung

Manfred Kees, Vorstandsmitglied der SL Ortsgruppe Bayreuth betonte in seiner Begrüßung, dass die Sudetendeutschen und ihre Freunde keinen neuen Hass sähen wollen, keine neue Auseinandersetzung herbeiführen wollen, sondern „wir wollen einfach auch das Recht haben diese Erinnerungskultur für uns in Anspruch zu nehmen“.
Wir bleiben dabei, so Kees weiter, „dass wir weiterhin ein gemeinsames Europa aufbauen. Dieses Europa hat auch seinen Ursprung in der österreich-ungarische Monarchie, hat sich fortgesetzt über Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi in der Paneuropa-Union und hat nun den heutigen Stand der relativ gut funktionierten Europäischen Union erreicht.
Wir wollen alles dafür tun, dass der mehr als 70 Jahre dauernde Friede erhalten und fortgesetzt wird. Dies war, ist und bleibt ein Hauptanliegen der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
Wir haben Botschaften die uns aufrütteln können. Selbstbestimmung der Völker und Volksgruppen, Heimat, Brauchtum, Kultur, Geschichte im Herzen Europas, Versöhnung und Ausgleich, miteinander nicht gegeneinander, gute Nachbarschaft und kein Streit mit den gutwilligen Tschechen.
Damit setzen wir ein Zeichen für ein Europa der Völker und Volksgruppen. Damit setzen wir ein Zeichen für das Selbstbestimmungsrecht, welches unseren Vorfahren,  die 1919 friedlich demonstrierten, verweigert wurde. Heute können wir ein Europa in Partnerschaft mit dem tschechischen Volk verwirklichen. Europäische Einigkeit ist daher das Gebot der Stunde“.
Gekommen waren die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk – Erbe, welche auch die Gedenkansprache hielt, sowie Dr. Stefan Specht, Fraktionsvorsitzender der CSU im Bayreuther Stadtrat und Bezirkstagsvizepräsident, Stephan Müller, Fraktionsvorsitzender der Bayreuther Gemeinschaft (BG) im Bayreuther Stadtrat,
Halil Tasdelen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Bayreuther Stadtrat, Günter Dörfler, Fraktionsvorsitzender der CSU –Kreistagsfraktion und Zweiter Bürgermeister von Weidenberg, die Stadträtinnen Ingrid Heinritzi-Martin, CSU und Christine Düreth-Trat BG, Frank Hofmann, Vorsitzender der BG, Valentina-Amalia Dumitru, vom Integrationsbeirat der Stadt Bayreuth, Robert Fischer, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberführsorge, Hartmut Zurek, Schlesische Landsmannschaft, Helmut Hempel mit seiner Frau Gudrun, der stellvertretende Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Helmut Mürling, Altobmann der SL Bayreuth, und der Pressefotograf Andreas Harbach vom Nordbayerischen Kurier.
Gedenkansprache der Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk - Erbe
Gedenkfeiern, so begann die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe  „haben vielerlei Bedeutung, es geht um das Erinnern, es geht um das Erweisen von Respekt, es geht ums Trauern, es geht um Versöhnung, es geht um Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte“. Weiter betonte die Oberbürgermeisterin, dass die Gedenkfeier zum 04.03.1919 zu Nachdenklichkeit und Wachrütteln führt, zu Mahnzeichen gegen Gewalt und zum Ziel hat, die Menschen nicht zu trennen, sondern sie zu einen. „Und so ist gerade das Märzgedenken vor dem Hintergrund des Auftauchens und Erstarkens der Bedrohungen gegen ein gemeinsames und friedliches Europa, ein wichtiges Plädoyer für ein gemeinsames, von Respekt und Demokratie getragenes friedliches Europa. Krieg, Massenmord, Ausschwitz, Zerstörung, Vertreibung, Verlust der Heimat, Rechtlosigkeit, ein ganzer Kontinent in Schutt und Asche, all dies ist nicht fern von uns, ist Teil unserer Geschichte und wirkt in Gegenwart wie Zukunft“.
Die tiefen Gräben, die Europa trennten, wurden überwunden.   
Die Oberbürgermeisterin erinnert weiter an die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs mit seinen über 70 Millionen Toten und was es bedeutet aus der Heimat fliehen zu müssen, vertrieben zu werden, welch langer Weg es ist, bis ein neues zu Hause zur Heimat der Kinder und Enkel wird. Betroffen waren mehr als 3 Millionen Sudetendeutsche, die das Schicksal der Vertreibung erleiden mussten. Über 39.000 kamen am Bahnhof in Bayreuth an. Sie alle haben in Bayreuth, in Oberfranken, in Bayern, in Deutschland mitgewirkt, das unsere Stadt, unsere Region, unser Land einen Wieder- und Neuaufbau leisten konnte. Haben in vielen ganz unterschiedlichen Bereichen Hervorragendes geleistet, haben unsere Gesellschaft mit aufgebaut und gestaltet.
Leider gibt es in unserem Europa, in vielen Ländern unseres Kontinents Tendenzen und Bestrebungen Europa in Frage zu stellen. Streit und Verzagtheit statt Vertrauen und Zutrauen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit versuchen sich Platz zu schaffen, wollen spalten.
Wir sehen eine Bedrohung der europäischen Union durch national-populistische Tendenzen, durch nationalen Ehrgeiz oder nationalen Egoismus.
Die Oberbürgermeisterin schloss mit Hinweisen und einem Appell: „Gerade auch in diesem Zusammenhang sind Gedenktage wie das Märzgedenken von erheblicher Bedeutung. Sich eines Europas bewusst zu sein, für das zu ringen sich lohnt, sich eines Europa bewusst zu sein, das sich Frieden und Freiheit verpflichtet. Hierin liegt die große Bedeutung und Verpflichtung, die wir den Opfern des 4. März 1919 schulden“.
Den Ausführungen von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe schlossen sich von Mitgliedern der Sudetendeutschen Landsmannschaft vorgetragenen Gedenkanliegen an, gefolgt von der Kranzniederlegung und vom gemeinsamen gebeteten Vaterunser sowie einem Schlusswort von Helmut Hempel, Warmensteinach, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden der SL.

Was wäre eine Gedenkveranstaltung ohne musikalische Ausgestaltung. Dies hatten  die aktiven Bläser des Heinersreuther Posaunenchors mit ihrer Leiterin Frau Friederike Schaumkell übernommen. Trotz des widrigen Wetters überzeugte der Posaunenchor, klangvoll, einfühlsam und auf hohem Niveau mit seinen Musikstücken.
Bayern- und Nationalhymne schlossen die würdige Gedenkfeier ab.

Manfred Kees
15.03.2019



 
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