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Vortrag "Heimat"
Dr.Günter Dippold trägt vor
Heimat – was ist das?

Ein volles Haus, ein Spitzen-Vortrag und eine gekonnte musikalische Begleitung prägten den  Vortrag von Prof. Dr. Günter Dippold im Saal des alten Barockrathauses in Bayreuth. Ein vielschichtiger Vortrag über das Thema „Heimat“ vor mehr als 50 Teilnehmern*innen.
Die musikalische Begleitung hatte Tamara Bosch am Flügel des Vortragssaales mit Gitarrenbegleitung durch  ihren Mann Mekhed Andrey übernommen. Sie spielten beide zur Einführung verschiedene Volkslieder und Musikstücke, darunter einen Ausschnitt aus den slawischen Tänzen von Antonin Dvorak, das Pommernlied, das Riesengebirgslied und das Böhmerwaldlied.
Musik, so Manfred Kees von der Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft, ist international. Ihre Sprache wird überall verstanden. Gilt dies in abgewandelter Form auch für den Begriff und Inhalt von „Heimat“?
Dies erhellte Prof. Dr. Günter Dippold, der Bezirksheimatpfleger von Oberfranken, in seinem folgenden Vortrag. Heimat ist in aller Munde. Die Medien haben Heimat entdeckt, zum Beispiel das Bayerische Fernsehen, der Bayerische Rundfunk und die Politik haben sich des Begriffs ermächtigt. Die Bild-Zeitung hat voriges Jahr sogar eine kostenlose Sonderausgabe zum Thema „Heimat“ herausgebracht, Auflage 40 Millionen.
Eine allgemeingültige Definition für den Begriff Heimat gibt es nicht. Heimat ist sehr individuell zu sehen. War Heimat lange Zeit eher im konservativen Spektrum daheim, so haben mittlerweile alle Parteien das Wort für sich entdeckt. Nur die Linke hat noch Schwierigkeiten damit. Inzwischen gibt es auch Ministerien mit dem Zusatz Heimat.
Dabei kam der Begriff Jahrzehnte gar nicht vor, außer es ging kurz nach dem Krieg um Heimatvertriebene.
Heimat ist ein positiv aufgeladener Begriff. Deshalb schmücken sich politische Akteure mit ihm, deshalb nutzen ihn die Medien, deshalb gebrauchen ihn Unternehmen zur Werbung.
Was hat es mit diesem Wort eigentlich auf sich? Heimat das hat heute mit Gefühl und mit Raum zu tun. Das war nicht immer so.  Bis weit ins 19. Jahrhundert bezeichnet der Heimatbegriff  vornehmlich ein Recht. Ein Recht auf Unterstützung in der Not.

Der Referent erwähnte die Heimatschutzbewegungen, die Heimatschützer aber auch den Missbrauch durch die Nazis. Oft wird der Begriff Heimat durch Heimatabende, Heimatfilme, Heimatsendungen  verkitscht und verdorben.
Leicht ist es in der Tat nicht das Wort zu begreifen. Heimat ist ein sehr emotionaler und individueller  Begriff.  Was Liebe ist, versteht nur, wer liebt, was Heimat ist, begreift nur wer Heimat hat.
Heimat ist ein Gefühl, kann Geburtsort sein oder der einstige Wohnort, oder ein bestimmtes Gebiet, ein Landstrich, ein Bundesland oder ein Staat.
Und im Grunde hat jede und jeder von uns in diesem Sinne mehrere Heimaten. Man kann Heimat verlieren wie bei den Vertriebenen 1945 / 1946 oder bei vielen Vertriebene und Flüchtlinge der Gegenwart.
Heimat braucht Vertrautheit, genauer, braucht vertraute Menschen. Heimat ist da, wo ich mich auskenne, wo ich die Menschen um mich verstehe, ihre Sprache und ihr Wesen. Aber wirkliche Gemeinschaft erwächst nur durch gemeinsame Aufgaben, durch zusammen übernommene Pflichten. Das ist der Wurzelgrund für Heimat.
Es geht bei den Dingen die Heimat ausmachen, immer um den Menschen. Wie schmeckt mir ein Gericht und erinnert uns an die Großmutter, die es genauso gekocht hat. Wir sehen eine vertraute Straße, einen Platz,  eine Landschaft und empfinden Heimat, weil durch den Anblick Erinnerungen und Geschichten in uns hochsteigen.
Menschliche Gemeinschaft auf überschaubarer räumliche Basis, da wo man die Dinge versteht und Wirkungen in ihren Ursachen zuordnen kann, das ist das Wesen von Heimat. Im Zentrum steht das Miteinander. Heimat ist nicht ein Widerspruch zur Globalisierung, es ist der nötige Ausgleich dazu. Heimat verpflichtet. Man kann nicht von Heimat reden, sie in Sonntagsreden beschwören und dann keine Verantwortung übernehmen.
Heimat, wenn man es ernst meint, ist da wo man anpackt, wo man sich in die Pflicht nehmen lässt, wo man für die Allgemeinheit da ist.
Nicht Formalien, nicht Vorschriften, nicht Äußerlichkeiten dürfen unser Handeln bestimmen, wenn wir für Heimat eintreten, sondern allgemeine Grundsätze.

Althergebrachte Felder, die man beim Wort Heimat zuerst assoziiert, müssen wir abklopfen: Laienspiel, Tracht,  Mundart, Volksmusik, Ortsjubiläum. Museen und Bräuche, all das ist gut und recht, aber nicht weil es alt ist. Wir sollten es nutzen, wenn es aktive Gemeinschaft fördert.
Heimat braucht Profil und so ist Heimat ein Gegenentwurf zur Beliebigkeit, zur Austauschbarkeit. Eine solche Heimat bedeutet nicht dumpfes Festhalten an der Vergangenheit. sondern fit werden für die Zukunft
„Heimat“, so schloss Professor Dippold, „heißt über das Heute hinausdenken, mit Respekt vor der Vergangenheit, aber mit Blick auf die Zukunft, auf eine menschliche Zukunft“.

Manfred Kees
27.11.2019

Tamara Bosch und Mekhed Andrey
Prof. Dr. Günter Dippold
Die Zuhörer
Dank dem Referenten
 
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