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Vortrag 75 Jahre Flucht und Vertreibung

Vortrag mit Sylvia Stierstorfer
Frau Stierstorfer, Frau Gudrun Brendel- Fischer MdL
Pressesprecher Manfred Kees
75 Jahre Flucht und Vertreibung
Pressemitteilung

SL Ortsgruppe Bayreuth / Oberfranken

75 Jahre Flucht und Vertreibung – ein Blick in die Zukunft
Sylvia Stierstorfer, MdL, CSU, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, hielt in Bayreuth ein Impulsreferat zur Zukunftspolitik im Rahmen von Europa- Bildungs- Jugend- sowie Versöhnungspolitik.

Familie und Heimat sind integraler Bestandteil des menschlichen Lebens. Heuer jährt sich der Beginn der völkerrechtswidrigen Vertreibungen von knapp 15 Millionen Deutschen nach dem 2. Weltkrieg zum 75. Mal. Auch die auf  Verzicht von Rache und Vergeltung abgestellte Charta der Vertriebenen besteht seit 70 Jahren. Grund genug Bilanz zu ziehen. „Es ist nicht einfach, Heimat zu verlieren und eine neue Heimat zu finden“. So begann Sylvia Stierstorfer, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene ihr Impulsreferat in Bayreuth.
Sie weiß als gebürtige Oberpfälzerin, wovon sie spricht, waren doch Großvater und Urgroßvater beide Bürgermeister in der Gemeinde Blattnitz im Landkreis Mies. Sie hat also sudetendeutsche Wurzeln.
Eingeladen hatten in einer Kooperationsveranstaltung die Sudetendeutsche Landsmannschaft Bayreuth und das Evangelische Bildungswerk Oberfranken – Mitte e.V. Das Impulsreferat von Sylvia Stierstorfer hatte ihrer Kollegin, Gudrun Brendel-Fischer, MdL, CSU, gleichzeitig auch Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, angeregt. Gudrun Brendel-Fischer nahm auch an der Veranstaltung teil.

Neben knapp 45 Teilnehmern kamen als Gäste auch der frühere Oberbürgermeister Michael Hohl, CSU, Stadtrat Stefan Schuh, Junges Bayreuth, Margarethe Michel, Bezirksvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Helmut Hempel, Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, Karl Heider, früherer Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth, das Künstlerehepaar Brigitte und Herbert Hadlich aus Weidenberg sowie Vertreter der Schlesischen Landsmannschaft, der Pommern und der Banater Schwaben.

Beeindruckend schilderte Sylvia Stierstorfer die Schwerpunkte ihres umfangreichen Aufgabenbereiches als Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene. So berät Sie die  Bayerischen Staatsregierung, wird auch bei   Gesetzentwürfen eingeschaltet, kümmert sich um Einzelanliegen des betroffenen Personenkreises, unterstützt Pflege und Erhalt des Kulturgutes, hilft bei der Förderung von Lehre und bei Neukonzeptionen im Geschichtsunterricht sowie bei Vorhaben zur  Verständigung mit den Herkunftsländern (Brückenfunktion), um nur einige Aufgaben zu nennen.
Sylvia Stierstorfer setzt sich für eine umfassendere Darstellung der Vertreibung und der Kultur und Geschichte der Aussiedler und Vertriebenen im Schulunterricht ein und unterstützt ein vom Haus der Bayerischen Geschichte erarbeitetes digitales Schulprojekt. Sehr am Herzen liegen ihr ein verstärkter Schüleraustausch, mehr Städtepartnerschaften und die Förderung der Sprachkompetenz im jeweils anderen Land.
Gleiches gilt für Besuche und Kontakte in die Herkunftsländer, wie beispielsweise zur Gruppe Antikomplex in Prag oder zu den Mitgliedern der deutschen Minderheiten in der Tschechischen Republik.

Die Vermittlung von Kultur, Geschichte und Tradition der Vertriebenen an die nächste Generation weiter zu geben, stellt für sie große Aufgabe dar. „Es gibt noch viel zu tun“, so die Beauftragte. Denn „Vertriebenenpolitik ist heute längst nicht mehr nur Geschichtspolitik. Sie ist Europapolitik, sie ist Bildungspolitik, sie ist Jugendpolitik und Versöhnungspolitik, also ein wesentlicher Bestandteil der deutschen und europäischen Entwicklung“.

In der anschließenden, sachlich geführten Diskussion konnte Sylvia Stierstorfer viele Fragen beantworten und auf Diskussionsbeiträge eingehen.
„Die Sudetendeutschen könnten unheimlich viel tun für Europa“, so der Geschäftsführende Vorstand und pädagogische Leider des Evangelischen Bildungswerkes Oberfranken -  Mitte, Jürgen Wolff. "Seien sie Brückenbauer", rief er den Teilnehmern zu und sah einen großen Gewinn für die Gesellschaft, wenn Traditionen aufrechterhalten, gepflegt und weitergegeben würden.
Von einer beeindruckenden und nahezu unglaublichen Integrationsleistung von beiden Seiten sprach der frühere Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl.
Davon könne man sehr viel lernen, so Hohl. Er bezeichnete die große Gruppe der Vertriebenen als Gründerväter des vereinten Europas, einer Konstruktion, die gerade in diesen Tagen sehr fragil sei. Umso aktueller denn je sei es, das Wissen und die Botschaften der Vertriebenen am Leben zu erhalten.
Manfred Kees überreichte Sylvia Stierstorfer abschließend als Gastgeschenk eine kleine Vase mit vergoldeten „Elfendekor“ der Porzellanmanufaktur „Gloria“ aus Altrohlau bei Karlsbad. Das 1920 gegründete Unternehmen lief gut, bis es durch die Vertreibung 1945 abrupt beendet wurde.

Manfred Kees
04.02.2020
Gut besuchte Veranstaltung
Dr. Jürgen Wolff EBW
Frau Stierstorfer beim Referat
 
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