Weidenbergs Obfrau Hertha Mann + - Homepage der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth

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Hertha Mann im
Weidenberger Knopfmuseum
Weidenbergs Obfrau
Hertha Mann verstorben
Herta Mann hing immer mit große Liebe an der Heimat, aber lange hatte sie nur wenig Zeit für die Landsmannschaft. Bis zum 70. Lebensjahr war sie im Familienbetrieb des Mannes, der Metzgerei von Fritz Mann in Bayreuth in der Kulmbacherstraße, eingebunden. Erst danach war sie frei für die Mitarbeit in der Landsmannschaft, im Werksiedlungsverein Weidenberg und für die Führungen im Glasknopfmuseum.  

Jeden Tag stand sie für die verschiedensten Tätigkeiten der Sl zur Verfügung.  Noch mit mehr als  92. Jahren war sie Anlaufpunkt für den Ort Weidenberg, das Fichtelgebirge, den Kreis Bayreuth und den Bezirk Oberfranken. Stets ausgleichend, aber, wenn notwendig resolut, hielt sie täglich mehrmals Kontakt zu  Landsleuten. Seit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben war die Landsmannschaft ihr Beruf. „Ohne diese Tätigkeit wäre ich schon längst unter der Erde“, war ihr Ausspruch..


Sie war ein lebendes Zeitzeugenlexikon, und wenn es um irgendwelche technische Kleinigkeiten der Gablonzer Fabrikation ging, Herta wusste es oder fand es heraus.

Herta Mann wurde am 27.09.1925 als einziges Kind von der Familie Siebeneichler in  in Oberjohannisberg bei Gablonz geboren. Die Eltern betrieben eine  Glaswaren-Erzeugung. Daneben führten sie noch eine kleine Landwirtschaft. Tochter Herta musste schon früh mithelfen. Sie besuchte vier Jahre die  Volksschule in Klein-Semmering, ein Ortsteil von Johannisberg. Dann ging es auf das Gablonzer Gymnasium und die letzten zwei Schuljahre absolvierte sie auf der Handelsakademie. Es war schon die Zeit des Dritten Reiches und das Land wurde in den Krieg gezogen. Die Jugendlichen wurden vielfach eingesetzt, so auch Herta. Die erste richtigen Anstellung bekam sie dann bei der Firma Aerophon- und Rundfunkbau in Gablonz. 1943 wechselte sie zum Stadtamt von Johannesberg, wo sie bis zum Kriegsende arbeitete. Auf Grund ihrer guten Kenntnisse der tschechischen Sprache ließ man sie noch eine Zeit lang  bei der nun mehr tschechischen Gemeindeverwaltung arbeiten.
Am 13. August 1946 wurde die Familie Siebeneichler vertrieben. Der Aussiedlungstransport  ging in die Sowjetische Zone und zwar in den flachen Norden nach  Hagenow und später nach Quedlinburg. Nicht nur der Verlust der Heimat, sondern auch der Eindruck der flachen Landschaft drückte auf das Gemüt der Isergebirgler.  So suchte die Familie Siebeneichler nach einer Zuzugsmöglichkeit nach Kaufbeuren oder ins Fichtelgebirge. Am selben Tage bekam die Familie für beide Ziele den Zuzug. Man musste aber nicht lange überlegen. Das Geld reichte nur für Fahrkarten ins Fichtelgebirge.
So kamen die Siebeneichlers nach Goldmühl in der Nähe von Bad Berneck. Man wagte einen beruflichen Neuanfang in der Glasschmuckbranche. Als dann die  Industrie-Werksiedlung in Weidenberg mit Marshall – Geldern gebaut wurde, gelang es, dort sich nieder zu lassen.
Im Ruhestand kehrte Herta Mann mit ihrem Gatten Fritz in dieses Siedlerhaus zurück, da die Wohnräume zu Fuß leichter zu erreichen waren.
Herta Mann reiste gerne in die alte Heimat und erstaunte die Schülerinnen ihres ehemaligen Gymnasiums Gablonz/Jablonec mit ihren Erzählungen in tschechischer Sprache. Ursprünglich hatte sie in der alten Heimat noch Bekannte, die nicht ausreisen durften, und die sie nach 1990 gerne besuchte. Sie hat nichts aus der Vergangenheit beschönigt. Sie sprach über das schlimme Zeit im Krieg und den Terror nach dem 8. Mai 1945. Sie äußerte aber auch: „Wir, Deutsche, Juden und Tschechen, haben im Raum Gablonz gut zusammengelebt und mein Vater, der kein Wort Tschechisch konnte, hat mich angehalten ordentlich die Sprache zu lernen fürs Geschäft. Nach dem Krieg hat mir die Sprache sehr genützt, besonders als mein Vater im tschechischen  Lager war
Im Westen ist es mir nach der ersten schlimmen Zeit auch wieder besser ergangen.  Aber es muss doch weiter gehen. Ich wünsche auch, dass es den jungen Tschechen besser geht. Sie können nichts für die Taten mancher Großeltern und Urgroßeltern.“
In den letzten Monaten und Wochen hat Herta Mann immer mehr unter Schmerzen gelitten. Die vielen Freunde trauern um sie, sie hat ihren Frieden gefunden.

Margaretha Michel
 
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