Brauchtum im böhmischen Niederland - Homepage der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth

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Brauchtum im böhmischen Niederland

Ostern 2020
Rumburg, Marktplatz mit Dreifaltigkeitssäule
Von Pudelek - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51422426
Heimatliche Volksbräuche  (aus dem Niederland bei Rumburg- Schluckenau)

Leider sind viele uralte sinnige Volksbräuche der Zeit zum Opfer gefallen und voll tiefer Wehmut muss jeder Freund solcher alter Volksüberlieferungen die Wahrheit folgendes Spruches feststellen: „Tempora mutantur nos et mutamur illis." (Die Zeiten ändern sich und die Menschen mit ihnen.)
Im Nachstehenden will ich mir einige dieser alten Volksbräuche in Erinnerung bringen.
Wie jedes große Fest zumeist auf das Leben der Natur Bezug nimmt, so ist das Osterfest das Fest der Auferstehung unseres Heilandes, des Siegers über Tod und Höllenmacht und zugleich das Wiederaufleben der Natur. Das Sinnbild dieses Erwachens ist das Osterei, welches uns mahnen soll: „Im Ei, das tot und leblos scheint, schlummert Lebendiges. So wirst auch du aus Todesnacht wieder zu neuem Leben auferstehen. “  Besucht ein Fremder zu Ostern das Niederland, so kann er altehrwürdiges Brauchtum kennenlernen. Die kirchliche Osterfeier ist hier von einem Kranze seltener, sinniger Volksbräuche und Sitten umrahmt. Wie durch ein Wunder haben sich diese in unsere nüchterne Zeit herübergerettet und gestalten durch ihren besonderen Zauber das Osterfest zu einem erhebenden seelischen Erlebnis. Deshalb zieht es auch alle in der Fremde lebenden Ortskinder ganz besonders zum Osterfest in ihre Heimat.  In all diesen Osterbräuchen offenbart sich altoberlausitzer Volkstum in ursprünglicher Reinheit und Tiefe und sind diese Bräuche ein Spiegel der Volksseele. Die Palmenweihe am Palmsonntag leitet den Reigen dieser Bräuche ein. Der Strauß geweihter Palmen bekommt seinen Ehrenplatz hinter dem Haussegen oder im Herrgottswinkel, um das Haus vor Blitzschlag und anderem Übel zu schützen. In der stillen Karwoche, der sogenannten Marterwoche ist besonders das Gründonnerstaggehen der Kinder ein alter Brauch und schon Wochen vorher freuen sie sich auf diesen Tag. Gründonnerstag frühmorgens laufen die Kinder mit einer Hacke oder Tasche von Haus zu Haus und rufen beim Eintritt: „Heute komm'ch ok zonn Grünndorschtche." Früher fügten die Kinder noch folgenden Nachsatz an: „Loßt misch ne suh lange stiehn, ich wie ej Häusl water giehn“, denn mit dem Gloria-Läuten hatte der Zauber sein Ende. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es ein aus schwerer Pest- und Gelöbniszeiten erwachsener Brauch. In Lobendau und Hilgersdorf gingen nur die Mädchen zum Gründonnertage, währende die Buben am Ostermontag in der Hand eine Weidenrute mit einem Sträußchen geschmückt zu „Schmeckustern“ gingen, doch leider ist dieser letztere Brauch auch in der neuen Zeit zum Opfer gefallen. Wenn am Gründonnerstage das Geläute der Glocken verstummt ist, begannen die Klapperjungen ihren Umgang. Mit einer Klapper und hölzernen Ratsche durchziehen sie das Dorf mittags und abends, soll das Geklapper das Glockengeläute ersetzen. Am Gründonnerstagabend fand am Aaberge ein Umzug um die Stationen statt.  Karfreitag galt von altersher als halber stiller Feiertag und es wurde dem schöne Heilige Grab in der Kirche recht zahlreich besucht. Erträgnisse der Landwirtschaft, wie Milch, Butter, Eier usw. werden am Karfreitage nicht verkauft. Auch das Wetter vom Karfreitag sollte für das laufende Jahr bestimmend sein. ' Als der Karsamstag (Ustersimmt) mit seiner ahnungs- und weihevollen Stille nahte, waren alle innerlich ergriffen vor dem bevorstehenden Wunder der Auferstehung des göttlichen Heilandes. Beim Gloria-Läuten wusch man sich im Bache Gesicht und Hände! und tränkte das Vieh, um sich und das Vieh vor Krankheit und Unheil zu bewahren. Sobald sich der Abend herniedersenkt, rüstet alles zur Auferstehung und wurde die Auferstehungsfeier in unserem Orte besonderes feierlich gestaltet. Nach Schluss der Feier ziehen die Ostersänger von Röhrsdorf und Hainspach mit Musik und ihren historischen Fackeln. Auferstehungslieder singend, durch den festlich illuminierten Ort. Auf Meißners Berge und in der Stein-Tlunst im Niederdorfe standen mächtige, weithin leuchtende Lichterkreuze.  All diese schönen Bräuche dürften wohl fränkisches Erbe sein und sich durch Einwanderung in unsere Gegend verpflanzt haben.
Am frühen Ostermorgen beginnen die Ostersänger und Osterreiter unter Böllerschüssen ihre Umzüge, die mittags mit einer Feldmesse vor der Dekanalkirche abschließen. Fast durch 250 Jahre fanden diese Umzüge statt. Die Ostersänger und Osterreiter mit Zylinder schwarzem Frack und rotweißen Fähnchen, die Pferde mit Blumen geschmückt, sind uns allen diese Umzüge ein unvergessliches Bild.
Zum Pfingstfest, wenn der Bergwald feierlicher rauscht als sonst, im Wiesengrunde das Bächlein lustiger plätschert und der Vögel Sang durch Feld und Hain erklingt, gehört wohl in erster Linie die Pfingstmaie und das Setzen von Pfingst -oder Maibäumen, welcher Brauch bereits im 12. Jahrhundert bestand und urdeutsch ist. Gleichzeitig begannen am genannten Feste auch die alljährlichen Pfingstwanderungen in die herrliche Umgebung.  
Der Fronleichnamstag wird in Hainsbach auf das festlichste begangen. Die feierliche Prozession bewegte sich unter Mitführung der Vereins- und alten Zunftfahnen, unter Beteiligung der Behörden und Ortsvereine, zu den aufgestellten Altären durch das Stadtl, dann die schattige alte Lindenallee am Schlosse vorbei wieder zur Dekanalkirche. Auch viele Bewohner der umliegenden Ortschaften nahmen daran teil und alle Häuser waren mit Birkengrün geschmückt.

Sommerliches Brauchtum
In jenen Zeiten als noch nicht alle Dörfer Kaufläden hatten erfolgten die Einkäufe auf den jeweils stattfindenden Festen und Märkten und hatte so eine „Mettebrengche" einen ganz eigenen Wert. Der Reigen der sogenannten „Madelmorchte” wurde durch das Kirchenfest in Kreibitz eröffnet.
Führende Bedeutung bis in die letzte Zeit hatte das am 26. Juli beginnende Annafest am Annaberge zwischen Hainspach und Lobendau, welches 9 Tage dauerte.
Im Jahre 1716 fand der Handelsmann Schlenkrich auf dem heutigen Annaberge ein Gnadenbild und erbaute auf diesem Platze, die heutige Kapelle. Früher kamen Prozessionen aus dem Wendischen, sowie aus Dittersbach. Tritt man aus dem bewaldeten Gebiete des Gerstenberges heraus, so sieht man das biblische Ehepaar St. Joachim und St. Anna nahe beieinander in traulichen Bergkapellen.
Die meisten altertümlicher Anklänge hat das vom 14. bis 22. August stattfindende Wölmsdorfer „Börnlfest".
Ein Schäfermädchen entdeckte dort im Jahre 1646 infolge einer Vision eine Quelle, den heutigen HeiIbronn, und Altgraf Salm-Reifferscheidt ließ 1726 dort das heutige Kirchlein erbauen, das zugleich die letzte Ruhestätte des Herrschaftsbesitzers ist. Dieses herrlich gelegene, im Barockstil erbaute Kirchlein an der Berglehne verleiht dem Feste ein geschichtliches Relief. Auch zu diesem Feste kamen Wendenprozessionen und boten ein farbenfrohes Bild.
Zum Kammzer-Feste am 8. September brach alljährlich um 5 Uhr früh von der Nixdorfer Pfarrkirche aus, eine Prozession über die Heide nach Böhmisch- Kammnitz auf,  unter zahlreicher Beteiligung aller Orte des Hainspacher Bezirkes.
Nicht zu vergessen wäre noch das Schnauhübler  Fest" um die idyllisch am Berge gelegene Pfarrkirche. Den Abschluss bildeten dann das sogenannte „Jerchentoler Fest".  

 
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