Ostergruss des Sprechers der Sudetendeutschen - Homepage der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth

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Ostergruss des Sprechers der Sudetendeutschen

Ostergrüße
Licht am Ende des Tunnels

Liebe Landsleute,

in schweren Zeiten wie diesen beginnen alte Wunden wieder zu schmerzen. Vielerorts wird scharf getrennt, was eigentlich zusammengehört: Familien, Generationen, Volksgruppen und Gemeinschaften. Zum ersten Mal in der Geschichte des christlichen Abendlandes wird es den meisten Europäern verwehrt sein, zu den Ostergottesdiensten zusammenzuströmen.
Mehr Menschen als sonst werden ausgerechnet an diesem besonders schönen christlichen Fest, das an die Auferstehung erinnert, einsam sein oder unter Trennungen leiden. In den letzten 30 Jahren ist manches Vertreibungstrauma dadurch zumindest gelindert oder sogar geheilt worden, daß wir ohne jede Grenzkontrolle wieder nach Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien gelangen konnten, um dort den Wurzeln unserer Vorfahren nachzuspüren, Erinnerungen aufzufrischen, neue Freundschaften und Netzwerke zu beginnen, unsere einzigartige Landschaft und Kultur wiederzuentdecken oder - im Fall der Jüngeren - zu entdecken sowie an Wallfahrten und Heimattreffen in der Heimat teilzunehmen. Das alles ist derzeit nicht möglich.
Unsere Landsleute in den Böhmischen Ländern müssen erleben, daß Traumata aus der Zeit des Eisernen Vorhanges wiederkehren, weil sie sich erneut eingesperrt fühlen. Dies ist in gewissem Umfang vielleicht unvermeidlich, um der Seuche Herr zu werden, schmerzt aber dennoch. Vertriebene denken verstärkt an ihre Vertreibung, auch Nachgeborene leiden mit. Ein Flüchtling, der in der Zeit des Kommunismus aus Böhmen in den Westen emigrierte, erzählte mir, daß er sich Nacht für Nacht wieder wie damals durch einen Grenzwald rennen sieht.
Niemand kann ernsthaft bestreiten, daß es nötig ist, für die Überwindung der akuten Krise Opfer zu bringen. Gerade deshalb ist es aber auch unverzichtbar, unsere Gemeinschaft noch intensiver zu leben als bisher. Heimatpriester in den Böhmischen Ländern und im deutschen Sprachraum veranstalten Gottesdienste, die im Internet übertragen werden. Das Sudetendeutsche Haus und die Bundesgeschäftsstelle der Sudetendeutschen Landsmannschaft bauen die Öffentlichkeitsarbeit in den elektronischen Medien (www.sudeten.de, Facebook, YouTube) weiter aus. Veranstaltungen sollen, soweit möglich, in Online-Version (zum Beispiel als Video) angeboten werden. Darüber und über viele andere uns berührende Nachrichten informiert der wöchentliche Newsletter.
Unser wichtigstes Instrument, um den Zusammenhalt der Volksgruppe aufrecht zu erhalten, ist die Sudetendeutsche Zeitung, die jede Woche über die reiche Kultur und das vielfältige Leben unserer Volksgruppe hier und in der Heimat berichtet, aber auch über grenzüberschreitende Projekte, geschichtliche und heimatpolitische Tatsachen sowie über vieles Vergnügliche. Weil der Sudetendeutsche Tag an Pfingsten nicht stattfinden kann, ist sie besonders unverzichtbar, um nach innen über alles Wesentliche und Interessante zu unterrichten sowie nach außen hin unsere kraftvolle Stimme zu sein.
Jetzt ist der Moment gekommen, diese Zeitung zu abonnieren, sie bekanntzumachen oder sie als Geschenkabonnement Freunden und Nachkommen zur Verfügung zu stellen.
Unser Sudetendeutsches Haus in München ist zwar bis mindestens 19. April für den Publikumsverkehr geschlossen, aber die Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle sind telefonisch, per Telefax und per eMail wie schon bisher persönlich erreichbar. Dort finden Sie auch kompetente Ansprechpartner für die Ahnen- und Familienforschung, falls Sie sich jetzt in der etwas stilleren Zeit besonders intensiv darum kümmern wollen.
Selbstverständlich werden wir in den nächsten Monaten in mannigfacher Form auf den Beginn der Vertreibung unserer Volksgruppe im Mai vor 75 Jahren hinweisen, damit die geschichtliche Wahrheit nicht vergessen oder verdrängt wird. So wollen wir am Pfingstsonntag an den Brünner Todesmarsch erinnern, obwohl die großartige Begegnung im Rahmen des Brünner Friedensmarsches, den einige junge Tschechen und die Stadt Brünn initiiert haben, wohl leider ausfallen muß.
Es gibt aber Licht am Ende des Tunnels. Schon im Herbst wollen wir unser Sudetendeutsches Museum in der Münchner Hochstraße eröffnen. Damit soll ein lang gehegter Wunschtraum unserer Volksgruppe endlich Wirklichkeit werden - was wir der Sudetendeutschen Stiftung, dem Museumsteam sowie der Unterstützung durch die Bayerische Staatsregierung, aber auch der Bundesregierung verdanken. Am 20. bis 22. November 2020 wird dem, wenn irgend möglich, ein Kleiner Sudetendeutscher Tag ebenfalls in München folgen, dessen Programm hauptsächlich auf Freitag und Samstag konzentriert wird, weil wir den Totensonntag als Feiertag respektieren und uns daher auf einige kleinere Veranstaltungen sowie einen Tag der Offenen Tür im umgebauten und durch das Sudetendeutsche Museum ergänzten Sudetendeutschen Haus beschränken wollen. Für Pfingsten nächsten Jahres ist dann wieder ein großer und bunter Sudetendeutscher Tag in Regensburg geplant, mit einem Donau-Moldau-Fest im Herzen unserer Patenstadt, von der einst die Christianisierung der Böhmischen Länder ausgegangen ist.
Entscheidend auf dieser Wegstrecke wird aber sein, daß wir den Mut und den Zusammenhalt nicht verlieren. Dankenswerterweise haben etliche unserer Amtsträger schon damit begonnen, Tag für Tag einige ihrer Mitglieder anzurufen und das persönliche Gespräch zu suchen, denn viele brauchen gerade jetzt einen aufmunternden Zuspruch. Wir alle sollten es ihnen gleich tun, denn der Unterschied zwischen einer bloßen Institution und einer Volksgruppe ist die menschliche Gemeinschaft.

Liebe Landsleute, Ostern steht vor der Tür, das Fest der Wiederauferstehung Christi. Möge Ihnen das österliche Licht leuchten!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen.

In herzlicher landsmannschaftlicher Verbundenheit

Dr. h.c. Bernd Posselt, MdEP a.D.
Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe
Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft
 
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