Vortrag - Homepage der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth

 Terminkalender
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Vortrag

Das Jahr 2019 > Jahres- Hauptversammlung OG Bayreuth > Vortrag "Angekommen in Franken"
Angekommmen in Franken

ein Rückblick in die Nachkriegsgeschichte

Prof. Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger Oberfranken, referierte über die Spur der Heimatvertriebenen nach ihrer Ankunft in Franken. Worin fand die Integration der Heimatvertriebenen ihren bildhaften Ausdruck? Welche Hindernisse gab es zu überwinden, in fremder Umgebung anzukommen, wie reagierte die einheimische Bevölkerung? Jahrelang andauernde katastrophale Verhältnisse bei der Unterbringung der „Flüchtlinge“, die Baracken- und Wohnraumschwierigkeiten, die mangelnde Lebensmittelversorgung, die oft nicht eben empathische Aufnahme der Vertriebenen durch die einheimische Bevölkerung und die anschließenden Schritte zu einer gemeinsamen und erfolgreichen Integration.
Der Vortrag „Angekommen in Franken“  im Vortragssaal des Kunstmuseums Bayreuth, als Kooperationsveranstaltung zwischen der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Katholischen Erwachsenenbildung Bayreuth fand guten Anklang. Gekommen waren mehr als 60 Interessierte, die mit Prof. Günter Dippold im Zeitraffer zurück blickten auf die Auswirkungen der völkerrechtswidrigen Vertreibung von mehr als 15 Millionen Heimatvertriebenen als Nachwirkung des Zweiten Weltkrieges. Mehr als 1,7 Millionen davon nahm der Freistaat Bayern auf. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 18,9 %. In Oberfranken waren dies sogar 22% .
Prof. Günter Dippold zeigte anhand von Beispielen aus dem Landkreis Lichtenfels die entstehenden Probleme detailliert auf.
Ursprüngliche Integrationshindernisse mussten überwunden werden. Dazu gehörte die ungewohnte Sprache der Heimatvertriebenen (Dialekte), die Wohnungsnot, die Lebensmittelversorgung, die fehlenden Arbeitsplätze, die Versorgung mit Mitteln des täglichen Bedarfs, die Probleme in der Religionsausübung, fehlende politische Vertretung, um nur einige Problembereiche zu nennen. Erschwerend kam noch hinzu, dass auch Evakuierte, also bombengeschädigte Einheimische, unterzubringen waren.
Die Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Heimatvertrieben war oft von Ablehnung gekennzeichnet. Aber es gab auch zahlreiche Gegenbeispiele positiver Art. So berichtete eine Zeitzeugin, sie „sei aufgenommen worden, wie eine eigene Schwester“. Festzustellen gilt, dass es auch für die einheimische Bevölkerung nicht leicht war, die Heimatvertriebenen aufzunehmen und ihnen durch eigene Einschränkungen zu helfen.
Die Verteilung der Heimatvertriebenen war sehr unterschiedlich. So fanden 9,4 % in Städten Aufnahme, 22,0 % dagegen in den Landkreisen. Es dauerte Jahre, ja Jahrzehnte bis die wesentlichsten Problembereiche abgearbeitet werden konnten. Es gründeten sich zahlreiche Unternehmen der Heimatvertriebenen,  wie z.B. die Baufirma W. Margraf und die Firma Medi, Hersteller medizinischer Hilfsmittel in Bayreuth oder die Glasindustrie in den Fichtelgebirgsgemeinden.
Die Wohnungsnot wurde durch Flüchtlings-Siedlungen gemindert. So hatte Karl Theodor zu Guttenberg in Mannsflur Grundstücke und Finanzen zur Verfügung gestellt um 300 Anwesen für Heimatvertriebene zu errichten.
Der Freistaat Bayern steuerte die Eingliederung durch 5 Flüchtlingskommissare für die damals vorhandenen fünf Regierungsbezirken.
Die Kirche reagierte durch Neubauten wie z.B. St. Hedwig in Bayreuth oder Sankt Johannes Nepomuk in Laineck.
Auch die politische Willensbildung kam voran. So war in der Zeit von 1950 bis 1962 der BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) als Fraktion im Bayerischen Landtag vertreten.
Eine spürbare Minderung der Notsituation trat auch durch das 1952 erlassene Lastenausgleichsgesetz ein, welches zwar keine Entschädigung darstellte aber zumindest einen Ausgleich zwischen den Einheimischen und den Vertriebenen durch Entschädigungszahlungen sicher stellten sollte.
Der Vortrag sollte die Erinnerungskultur zur Integration der Heimatvertriebenen in Oberfranken weiter anstoßen. Die 75-jährige Wiederkehr von Flucht und Vertreibung in den Jahren 2020/21 bietet jedenfalls einen günstigen Ausgangspunkt, um im Sinne des gesetzlichen Auftrags nach § 96 Bundesvertriebenengesetz die Bewahrung der Geschichte, des Schicksals und der Kultur der Heimatvertriebenen nachhaltig zu fördern und die laufenden Forschungen weiter zu verstärken.

Manfred Kees
01.05.2019
Der Referent Prof. Günther Dippold
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü